Wenn das Sprechen zur Tortur wird

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Sprechen darf nicht anstrengend sein. Denn beim Sprechen atmen wir aus, und das Ausatmen sollte nicht an unseren Kräften zehren.

Wenn aber Töne herausgepresst werden und immer wieder hörbar nach Luft geschnappt wird, dann kann Sprechen echt mühsam werden. Denn diese Sprechatmung ist unnatürlich und lässt uns ermüden. Da wird das Reden zum Kraftakt.

Dabei wäre dieses „Gepresse“ und „Luftgeschnappe“ gar nicht nötig. Wir müssen uns nicht aktiv Sauerstoff zuführen. Wir brauchen bei der Atmung nicht nachhelfen, sie funktioniert auch ohne unser Zutun. Einfach so.

Hm. Vielleicht fragen Sie sich, wieso das bei Sprechatmung nicht immer funktioniert.

Es ist so, wenn wir sprechen, dann atmen wir aus. Dabei spannen sich alle Muskeln an, die am Sprechen beteiligt sind. Unser Zwerchfell, das ist unser Hauptatemmuskel, befindet sich dabei in einem gewölbten Zustand.

Wenn wir dann wieder Luft nachkommen lassen, also einatmen, löst sich diese Muskelspannung. In dem Moment federt das Zwerchfell wieder nach unten und wird flach.

Gleichzeitig öffnet sich unsere Stimmritze, das ist der Raum zwischen den beiden Stimmlippen. Somit kann neue Luft hereinströmen. Und so wird die verbrauchte Luft automatisch ergänzt. Blitzschnell. Diesen Vorgang nennt man „reflektorische Atemergänzung“.

Die reflektorische Atemergänzung funktioniert aber nur, wenn das Zwerchfell wirklich nach unten federn kann. Wird beim Sprechen nach Luft geschnappt, arbeitet das Zwerchfell nicht richtig.

ÜBUNG

Probieren Sie einmal Folgendes: tun Sie so, als würden Sie drei Kerzen ausblasen.

FFF…….….FFF…….….FFF

Machen Sie das jetzt einmal.

Haben Sie jetzt festgestellt, dass die Luft von ganz alleine nachkommt? Ohne, dass Sie etwas dafür tun müssen? Und genauso verhält es sich beim Sprechen. Die Luft kommt von alleine, wir müssen nicht nachhelfen und sie aktiv hereinholen.

Damit die reflektorische Atemergänzung funktioniert, können Sie auf zwei Dinge aufpassen:

Die Körperhaltung soll aufrecht und elastisch sein

Achten Sie darauf, nicht zu viel und auch nicht zu wenig Körperspannung zu haben. Das Zwerchfell soll in seiner Funktion nicht eingeschränkt werden. Hängende Schultern, ein krummer Rücken und auch eine zu steife Körperhaltung beeinträchtigen Ihren Hauptatemmuskel.

Aktivieren Sie Ihr Zwerchfell

Lachen tut dem Zwerchfell besonders gut. Leichte Übungen sind auch das imaginäre Kirschkernspucken oder so zu tun, als würde man Kerzen ausblasen. Ein sehr gutes Training ist  das stoßhafte Ausatmen durch die Nase. Dabei lassen Sie den Mund beim Ausatmen geschlossen und stoßen die Luft mit mehreren kräftigen Schüben durch die Nase heraus. Nase vorher putzen. 🙂

In meinen Kursen ist die Sprechatmung ein zentrales Thema. Damit man ein Gespür für die Sprechatmung bekommt, wird auch mit vorgegebenen Übungstexten trainiert. Dabei merken meine Teilnehmer rasch, wie ungemütlich das tiefe Luftholen in der Einatemphase ist, und dass das Sprechen keine beschwerliche Sache sein muss.

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