Wie kann ich Sprecher werden?

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Eine eigentliche Ausbildung als Sprecher gibt es nicht. Das liegt wohl auch daran, dass die Sprechbranche sehr breit gefächert ist. Es gibt Radiomoderatoren, Service- und Nachrichtensprecher, Werbesprecher, Voice-Over-Sprecher, Hörbuchsprecher, Synchronsprecher und, und, und! Die Anforderungen an den jeweiligen Sprecher sind sehr unterschiedlich. Außerdem gibt es viele Quereinsteiger.

Aber schauen wir uns zunächst zwei Fehlannahmen an:

Alle sagen ich hätte eine schöne Stimme, der Sprecherjob wäre ideal für mich.

Eine schöne Stimme reicht nicht aus, um in der Sprechbranche unterzukommen. Zum einen ist nicht jede Stimme für jeden Sprechstil geeignet.  Zum anderen wird eine schöne Stimme nicht automatisch auch gekonnt eingesetzt. Mit einem guten Klang alleine lässt sich leider kein Sprecherjob ergattern.

Als Sprecher verdiene ich total viel Geld.

Das wäre herrlich! Leider sieht die Realität anders aus. Die wenigsten Sprecher bestreiten ausschließlich durch Sprechaufträge ihren Lebensunterhalt. Entweder werden mehrere Sparten bedient, z.B. Moderation UND Werbung, oder ein Sprecher ist hauptberuflich anders tätig und verdient sich mit der Stimme ein Zubrot.

Drei Tipps, um in der Sprechbranche Fuß zu fassen:

1. Bilden Sie Ihre Stimme aus!

Der erste Schritt wäre, sich ein Basiswissen zu Stimme und Aussprache anzueignen und sich dann langsam und kontinuierlich an die Sprecherarbeit heranzutasten. Am besten besorgen Sie sich erst einmal gute Literatur, um sich in Stimmarbeit und Sprechtechnik einzuarbeiten. Damit lernen Sie, sich differenziert wahrzunehmen. Erst dann kann das praktische Training Früchte tragen.

Wenn das Basiswissen sitzt, kann es zur Sache gehen: Unverzichtbar ist die deutsche Bühnenhochsprache, das ist ein recht lernintensives Unterfangen. Für die ersten Schritte können Sie einiges in Eigenregie machen. Üben Sie auf jeden Fall mit einem Aufnahmegerät!

Danach ist es wichtig, mit einem Profi zu üben: Besuchen Sie Seminare oder noch besser, suchen Sie sich einen erfahrenen Trainer. Der erkennt nämlich sofort, woran Sie noch arbeiten müssen. Er hat Lösungen für Sprechschwächen und –haken parat. Und Sie machen gezielte Fortschritte auf Ihrem Weg zur Sprecherkarriere. Zudem ist die Branche überschaubar, darum wird in Studios auch oft danach gefragt, wen man als Sprechcoach hat(te).

2. Verdienen Sie sich langsam aber sicher Ihre Sporen!

Die gute Nachricht: Es ist kein Muss, eine Schauspielausbildung zu machen. Viele Sprecher standen noch nie als Darsteller auf einer Bühne. Trotzdem ist die Schauspielschule ein guter Tipp, denn viele Aufträge – ob Radio, Werbung, Synchron, Hörbüch – basieren auf dem Vermitteln von Emotionen.

Etwas leichter zu ergattern ist eine Ausbildung beim Hörfunk, auch wenn es dauern kann, bis man Sie ans Mikro lässt. Eindeutig für das Radio spricht, dass man die Stimmarbeit wirklich in der Praxis miterlebt und mit unterschiedlichsten Sprechstilen konfrontiert wird. Außerdem gibt es im Regelfall viele Schulungen.

Versuchen Sie also bitte nicht von 0 auf 100 zu gelangen. Aufträge als Synchron- oder Hörbuchsprecher beispielsweise sind die Königsdisziplin – abgesehen vom nötigen Können ist die Konkurrenz in diesem Segment enorm.

3. Verschicken Sie Demos!

Wenn Sie sich für einen Sprecherjob bewerben, werden Sie an der Aufzeichnung gemessen.

Die Macher entscheiden blitzschnell, ob ein Bewerber bei den Akten landen oder eingeladen wird. Die Qualität des Demos ist also super wichtig:

• Ein Demo sollte nicht länger als 8 Minuten sein.
• Überstürzen Sie die Aufnahme nicht! Üben Sie die Texte vorher intensiv und verschicken Sie nur wirklich hochwertiges Sprechmaterial.
• Präsentieren Sie unterschiedliche Sprechstile, denn die Verantwortlichen möchten mehrere Facetten von Ihnen kennenlernen.
• Holen Sie sich das Feedback anderer zur Aufnahme ein. Und zwar nicht das von der Tante Gerti, die es „so schön!!!“ findet, sondern von einem Profi. Immerhin ist das Ihre Bewerbung!

Buchtipp:

E-Book: Das Sprecherhandbuch  – Ausbildung und Praxis bei Film, TV, Funk und Werbung. Uwe Herzog gibt hier einen guten Überblick für Sprecher und jene die es werden wollen. 

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