5 typische Unklarheiten

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Wenn Sie meine Artikel regelmäßig lesen, dann wissen Sie ja: Ich bin KEINE Verfechterin der hyperkorrekten „Spreche“. Wir sprechen niemals alles richtig aus und wenn wir uns krampfhaft an einer Vorzeigesprache festhalten, kommt das nicht gut an und bringt uns noch dazu aus dem Konzept.

Trotzdem: Es ist unschön, wenn beim Sprechen Buchstaben verschluckt, vertauscht oder dazu geschummelt werden. Und wenn Sie vor mehreren Menschen sprechen, zum Beispiel weil Sie Seminare leiten, Lesungen anbieten, Podcasts produzieren, Vorträge halten usw. ist es natürlich optimal, wenn Sie nicht nur typische Sprechfehler vermeiden, sondern so sprechen, dass Sie von ALLEN verstanden werden. Dazu gibt es einige Regeln, die ich mit meinen Kursteilnehmern in meinem kleinen Sprechtechnikeinmaleins durchgehe. Die fünf häufigsten Sprech-Unklarheiten habe ich Ihnen aber hier zusammengefasst:

1. -ig, -igt, -igst

Bei diesen Nebensilben kommt es vor, dass einzelne Satzteile nicht verstanden werden. Ein Beispiel, jemand sagt: „Heute ist es nebelig grau“, dann verwandelt sich das „nebelig grau“ häufig in ein „nebeligrau“. Würden Sie stattdessen zwischen den beiden g absetzen und eine Pause machen, (nebelig | grau) hört es sich, sollte diese Buchstabenfolge gehäuft vorkommen, auf Dauer komisch an. Probieren Sie es aus:

König |Gustav ist auf ewig | glücklich über die nebelig | grauen Felder.

Merken Sie, wie hölzern das klingt? Deshalb gibt es für diese Nebensilbe eine Regel:

  • ig wird zu –ich,
  • igt wird zu –icht,
  • igst wird zu ichst.

König = Könich, entschuldigt = entschuldicht, freudigst = freudichst.

Der Könich ist dazu ermächticht und hat die Abhängichkeit seines Landes beendet. Du bist so gütich, ich bedanke mich freudichst.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Die Nebensilben werden als –ig, -igt oder –igst klar artikuliert, wenn:

  • es sich um einen Eigennamen handelt (z.B. Frau Berta König. Hier verwandelt sich das –ig nicht.)
  • ein Vokal folgt, (z.B. Könige. Auch hier wird –ig und nicht –ich gesprochen.)
  • in der nächsten Silbe ein ch vorkommt (Königreich. Wieder verwandelt sich das –ig nicht)

Sie können die Aussprache anhand dieses Übungssatzes noch einmal ausprobieren:

Ich habe den Honig ganz alleine hergestellt. Deine Hartnäckigkeit wird belohnt. Er verteidigt sich und macht sich eiligst davon. Sie hat gehuldigt und ihre Schuldigkeit getan.

Ich habe den Honich ganz alleine hergestellt. Deine Hartnäckichkeit wird belohnt. Er verteidicht sich und macht sich eilichst davon. Sie hat gehuldicht und ihre Schuldichkeit getan.

2. CHS + X

Überlegen Sie mal: Wie sprechen Sie die Zahl, die nach der Fünf kommt, aus?

Sechs?
Sex?

Bei der Buchstabenfolge CHS sprechen wir oft instinktiv richtig, manchmal ist aber auch der Wurm drinnen. Denn bei dieser Buchstabenfolge gilt:

  • Wenn ein S nicht zum ursprünglichen Wort gehört, so wie das bei lachst (lachen) oder machst (machen) der Fall ist, dann wird ein –chs auch als –chs gesprochen.
  • Wenn das S aber fix zu dem Wort gehört, wie zum Beispiel: Fuchs, wechseln, sechs, – dann verwandelt sich ein –chs in ein X.

Man sagt also: höchstens, brauchst oder kochst; verwandelt das –chs aber bei: Luchs (Lux), Sachse (Saxe) oder Echse (Exe).

Probieren Sie sich mal:

Der kleine Dachs konnte den Füchsen gerade noch entkommen. Im nächsten Ort gibt es ein sächsisches Lachsgeschäft. Der Strauch wächst und lacht über den Wechsel der Jahreszeiten.

Der kleine Dax konnte den Füxen gerade noch entkommen. Im nächsten Ort gibt es ein säxisches Laxgeschäft. Der Strauch wäxt und lacht über den Wexel der Jahreszeit.

3. Das stumme H

Das stumme H heißt stummes H, weil es tatsächlich nicht gesprochen wird. Bei einigen Wörtern ist das klar, wie zum Beispiel bei Ohr, fühlen oder Rahmen. Bei manchen Wörtern ist das aber leider nicht so klar, deshalb hier die Regel dazu:

  • Ein H wird ausgesprochen, wenn es sich vor vollstimmigen Vokalen befindet. Das ist der Fall, wenn ein H der erste Buchstabe eines Wortes ist oder es sich um eine voll- oder nebentonige Silbe handelt. Zum Beispiel bei Hand, halten, erheben, Gehalt oder Uhu.
  • Befindet sich ein H sonst in der Wortmitte, soll es den Vokal dehnen und wird deshalb nicht gesprochen, z.B. bei Rohr, Uhr oder Bahn. Aber Achtung: auch die Ehe wird richtig gesprochen zur E-ä und aus der Nähe wird die Nä-e.
  • Auch das H bei gehen, stehen oder hohe ist mittlerweile verstummt, während es früher noch artikuliert wurde.

Wieder etwas zum ausprobieren:

Erst wenn die Blumen blühen, wird er deine Nähe suchen. Die Kühe und der Uhu können nicht wiehern.

Erst wenn die Blumen blü-en, wird er deine Nä-e suchen. Die Kü-e und der Uhu können nicht wiehern.

4. ST oder SCHT

Ja, wie denn nun, heißt es Statistik oder Schtatistik? Das hat schon zu mancher Diskussion geführt bei mir im Kurs 🙂

Es ist so: Wenn sich ST am Wortanfang befindet, dann wird es zum SCHT. So wie bei Stift, Stern, Stunde…

Es gibt aber tatsächlich Wörter, da verwandelt sich das ST nicht. Das sind dann Wörter:

  • Bei denen man sich aussuchen kann, ob man sie mit ST oder SCHT spricht, zum Beispiel bei Statistik 😉 oder
  • bei Fremdwörtern, die nach wie vor als fremd empfunden werden, wie zum Beispiel stereotyp .

Ein ST in der Mitte oder am Ende eines Wortes, wird als ST ausgesprochen. Es sei denn, das ST gehört zum Anfang einer Silbe, wie z.B. bei gestehen.

5. Tauschen und unterjubeln

Das hatten wir zwar schon bei „Ich kaufe ein A“, trotzdem will ich das Thema gesondert auch hier kurz aufgreifen. Manchmal werden Buchstaben in ein Wort eingeschoben, oft sogar mit dem Bedürfnis, etwas sehr deutlich auszusprechen. Das kann dazu führen, dass ein Wort:

  • tatsächlich nicht verstanden wird
    oder
  • verstanden wird, aber einen schalen Nachgeschmack beim Zuhörer hinterlässt.

Ein Beispiel dazu: Hembd, brummbt, stammbt, klimmbt.

Auch der Buchstabentausch kommt häufig vor, manchmal glaubt man fälschlicherweise auch, dass das Wort tatsächlich so ausgesprochen wird. Zu hören ist der Buchstabentausch zum Beispiel bei: Ummut (statt Unmut), ammelden (statt anmelden), ummöglich (unmöglich).

In diesem Zusammenhang möchte ich aber trotzdem noch eine Sache erwähnen: Ihr Umfeld bestimmt, ob Sie gerade schön oder unschön sprechen. Wenn Sie zum Beispiel davon ausgehen, dass Ihre Teilnehmer, Zuhörer, Kunden… problemlos verstehen können, wenn Sie Dialekt sprechen und Sie sich damit wohl fühlen, dann bleiben Sie dabei! Aber wenn Sie damit rechnen können, dass Sie es auch mit jemanden aus einer anderen Region zu tun haben, tun Sie sich und dem anderen mit einer deutlicheren Spreche einen großen Gefallen.

Disclaimer 😉

Ich bin eine österreichische Sprechtechniktrainerin und lehre meine Schüler nach den Sprechtechnikregeln von Theodor Siebs und Vera Balser Eberle. Nicht alle Regeln werden auch in Deutschland angewendet. So wie wir uns sprachlich unterscheiden und verschiedene Wörter verwenden(Tüte-Sackerl, Brötchen-Semmel) ist es auch bei der Lautgebung. Zum Beispiel werden in Deutschland die Vokale deutlich kürzer gesprochen oder es wird eine andere Regelung bei den obigen Nebensilben bevorzugt.

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