Fitness für die Stimme: Vokale tönen

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Vor Jahren nahm ich an meinem ersten 2-tägigen Atemseminar teil. Ich meditiere zwar gern, bin privat aber trotzdem kein besonders stiller Mensch. Ich hatte also so meine Bedenken: „Zwei Tage vollgespickt mit Atemübungen? Das wird sich ziehen wie Kaugummi! Was, wenn ich während der Übungen einschlafe? Wie peinlich!“.

Schlussendlich war das Seminar eine Klasse für sich, sehr intensiv und eine besonders wertvolle Erfahrung. Und ich bin nicht einmal eingeschlafen 😉

Eine Gruppenübung war damals das Vokale tönen. Wir Teilnehmer bildeten einen Sitzkreis, einer von uns saß aber in der Mitte. Dann begannen wir mit dem Tönen. Wenn Sie sich nichts darunter vorstellen können, dann denken Sie an buddhistische Mönche beim Beten: „Ommm“ – das versteht man unter Tönen. Wir tönten aber nicht „Ommm“ sondern nur Selbstlaute. Das heißt, wir tönten etwa zwei Minuten lang den Vokal a, dann zwei Minuten lang den Vokal e usw. Nur die Person in der Kreismitte blieb still und lies sich beschallen.

Hört sich ein bisschen verrückt an, oder? Aber ich sag Ihnen was: Für die Person in der Kreismitte ist das Zuhören eine Wucht. Es klingt wunderschön und noch dazu ruft jeder Vokal – so wie es bei Liedern eben auch der Fall ist – eine andere Empfindung hervor: Heiterkeit, Entspannung, Kraft… verblüffend!

Als Trainerin fordere ich meine Teilnehmer auch sehr häufig auf, Vokalvibrationen wahrzunehmen, wenn auch aus einem anderen Hintergrund.

Ihr Körper ist ein Resoanzraum

Wenn Sie merken, dass Sie gerade etwas schwächer als sonst klingen, kommen Sie, vorausgesetzt Sie sind nicht krank und deshalb entkräftet, mit Resonanzübungen wieder aus dem Knick. Sobald Sie regelmäßig trainieren, weiten Sie die Resonanzräume in Kopf und Rachen und Ihre Stimme klingt bald voller und wird leistungsfähiger.

Genaugenommen ist es aber so, dass beim Sprechen nicht nur das Gewebe oder Knochen im Kopf mitschwingen. Vielmehr ist unser ganzer Körper beim Sprechen involviert, und um die Körperresonanz zu weiten, eignet sich das Tönen wunderbar!

Sie können das Tönen gleich ausprobieren, wenn Sie Lust haben und gerade ungestört sind. Achten Sie dabei bitte aber auf ein paar Kleinigkeiten:

  • Sitzen Sie aufrecht und lehnen Sie sich nicht an. So gehen Sie sicher, dass die Töne gut rauskommen.
  • Haben Sie Bodenkontakt mit Ihren Füßen. Wenn Sie die Beine übereinanderschlagen klingen die Töne nicht kräftig.
  • Gönnen Sie sich einige Atemzüge bevor Sie loslegen. Sie stellen sich damit auf die Übung ein und kommen zur Ruhe.

Und jetzt beginnen Sie mit dem Tönen, tönen Sie ein A etwa zwei Minuten lang. Natürlich dürfen Sie zwischendurch Luft holen! Aber schnappen Sie nicht gierig nach Luft, lassen Sie sie einfach locker nachkommen. Spüren Sie außerdem gezielt nach, wo Sie die Vibration im Körper wahrnehmen können. Wenn Sie mit dem A fertig sind, nehmen Sie sich das E vor, dann das I, das O und das U.

Wenn Sie mit der Übung durch sind, können Sie schauen, ob Sie mit Ihrem Gespür richtig liegen, ich habe die Bereiche kurz aufgelistet:

  • Das A ist ein sehr kräftiger Laut, sie können die Vibration sogar bis in die Zehenspitzen spüren. Beim Tönen entspannt ein A übrigens nicht nur das Zwerchfell sondern auch Ihre Zunge.
  • Ein E können Sie in der seitlichen Bauchregion gut wahrnehmen. Das Tönen treibt an und beruhigt zugleich. Gut gegen Lampenfieber!
  • Wenn Sie dem I nachspüren, fühlen Sie es besonders stark im Hals und im Kopf. Beim Tönen wird ihm eine inspirierende Wirkung nachgesagt.
  • Das O kommt direkt aus der Körpermitte und massiert beim Tönen das Brustbein. Sie können es sogar bis in den Kopf spüren. Das O kann Ihnen auch dabei helfen, in Ihrer Mitte zu bleiben.
  • Bei einem U steht Ihre Kehle besonders tief, deshalb werden die Resonanzräume im Schädel angesprochen. Es weitet den Beckenraum und entsteht unter dem Nabel.

Und? Haben Sie die Vokale an den entsprechenden Stellen gespürt? Wenn Sie nicht sicher sind, legen Sie doch gleich eine zweite Tön-Runde ein und fühlen dabei ein wenig genauer nach.

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