Kann ich mit der Stimme meine Gefühle überspielen?

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Diese Frage höre ich gerade im Einzeltraining häufig.

Sie können. Aber nicht lange.

Was glauben Sie, wieso merkt man Schauspielern auf der Bühne oft nicht an, dass sie nervös sind? Möglicherweise weil sie in eine Rolle schlüpfen und unter anderen Voraussetzungen sprechen. Im normalen Leben ist das anders. Wir sind wir selbst und können unsere Gefühle nicht auf Knopfdruck wegbeamen.

Denken Sie einmal an eine Morgenshow im Radio. Wollten Sie immer schon mal wissen, wieso der Moderator jeden Tag so happy ist? Des Rätsels Lösung: der ist gar nicht immer so gut aufgelegt! Seine Sprechzeit hat mit der Dauer eines Vortrags oder eines Seminars wenig gemein. Er ist immer nur kurze Zeit auf Sendung, und weil er gelernt hat mit seiner Stimme umzugehen, wird er es in der Regel auch schaffen, gut aufgelegt zu klingen. Selbst wenn er verschlafen hat, ohne seinen Morgenkaffee noch grantig ist oder der Chef Probleme macht: für die kurzen Moderationseinstiege hat er sich im Griff.

Wenn Sie jetzt beispielsweise ein Seminar leiten und vor mehreren Personen sprechen, dann sieht es mit dem Überspielen der Aufregung etwas anders aus, denn

• Sie sprechen länger als der Radiomoderator, müssen also mit Ihrer Stimme sehr lange etwas überspielen.
• Sie stehen nicht auf der Bühne und spielen Theater.
• Ihre Zuhörer sehen Sie.

Und irgendwann wird sich die überschüssige Energie einen Weg nach draußen bahnen.

Lassen Sie Dampf ab!

Achten Sie auf dem Weg zum Vortragsort darauf, wie es Ihnen geht. Wie fühlen Sie sich? Sind Sie mental oder körperlich angespannt? Aber Achtung: Wir spannend gerne mal völlig unbewusst ganze Muskelpartien an. Das kann die Kieferpartie oder der Oberschenkelmuskel sein, es lohnt sich einen kurzen Check von oben bis unten zu machen.

Wenn Sie körperlich angespannt sind,

• können Sie die Muskeln gezielt lockerlassen. Das geht übrigens am besten, wenn sie sie vorher nochmal kräftig anspannen und anschließend lockern, zum Beispiel bei angespanntem Kiefer den Mund weit aufmachen und dann locker wieder schließen.  

• sich ein wenig bewegen. Ein paarmal auf der Stelle springen oder sich gemütlich ganz weit in alle Richtungen strecken.

Wenn Sie mental angespannt sind, können Sie zum Beispiel im Auto das Radio weit aufdrehen und ein Lied mitgröhlen. Oder Sie gehen auf die Toilette und ziehen eine Grimasse im Spiegel. Dadurch landet einen Großteil Ihrer Anspannung im Nirwana. Und es stellt sich mit dem Herumkasperln eine heitere Grundstimmung ein. Sie werden sofort lockerer … und dadurch auch Ihre Stimme und Sprechweise!

Setzen Sie auf Ihre Atmung!

Angenommen Sie sind bereits in der Sprechsituation und merken, dass die Nervosität nicht abklingen will, dann arbeiten Sie mit der Atmung. Schicken Sie sie in den Sprechpausen ab und zu bewusst in den Bauch. Das wirkt beruhigend und wenn ich in einer Situation aufgeregt bin, mache ich genau das. Es funktioniert wunderbar!

Es ist eine gute Idee, wenn Sie sich im Vorfeld schon mit Atemübungen auseinandersetzen. So können Sie Ihren Ängsten früher etwas den Wind aus den Segeln nehmen.

Sie sehen: Sie brauchen Ihre Gefühle überhaupt nicht überspielen. Mit diesen wenigen, einfachen Mitteln können Sie Ihre aktuelle Stimmung positiv beeinflussen – und das sorgt sofort für Souveränität.

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