Vergessen Sie den Wunderwutzi

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Wenn der Wunderwutzi* spricht, geht die Sonne auf. Seiner Stimme könnte man stundenlang zuhören, er verhaspelt sich nie und er ist ein rhetorisches Ass. Lampenfieber kennt er nicht, sowieso findet ihn jeder sympathisch.

Keine Frage: Es gibt Leute, die charmant und sicher vor anderen reden. Die aus dem Stand heraus einen wunderbaren Vortrag halten, andere dauernd für ihre Ideen begeistern oder im Meeting mal eben einen wichtigen Neukunden überzeugen.

Sie können das auch! Aber nur, wenn Sie sich davon lösen, alles perfekt machen zu wollen. Denn Perfektion macht Druck, was dazu führt, dass Sie sich verkrampfen und überkritisch sind. Vor allen Dingen aber sorgt der Drang nach Perfektion dafür, dass Sie aalglatt und unpersönlicher rüberkommen.

Über Bord mit dem Perfektionsanspruch!

Vergessen Sie den Wunderwutzi! Auch richtig gute Redner und sogar Präsentationsgurus haben blinde Flecken. Nicht immer läuft alles palettit: an manchen Tagen stolpert man über die Buchstaben, fällt beim Reden in ein Singsang oder spricht hölzern. Interessanterweise kommt gerade dieses allzu menschliche Verhalten positiv beim Publikum an, denn es ist „normal“!

Strapazieren Sie also Ihre Nerven nicht unnötig, um jedes noch so kleine Malheur auszuschließen. Seien Sie ruhig etwas nervös, denn Lampenfieber kann eine wunderbare Triebfeder sein. Zu viel Druck wird dafür zum Handicap:

  • Machen Sie sich nicht verrückt, was die Rhetorik angeht! „Jetzt ja nicht verhaspeln“, „Schön sprechen!“ … Es ist gut, wenn Sie sich Ziele setzen, um Ihre Stimme angenehm klingen zu lassen und sie gezielt einzusetzen. Doch das Lesen zahlreicher Rhetorikratgeber ist kontraproduktiv. Konzentrieren Sie sich immer nur auf eine, maximal zwei Kleinigkeiten, die Sie im Blick behalten und optimieren möchten. Und wenn diese sitzt, kommt das nächste dran.
  • Finden Sie sich damit ab, dass Sie nicht hellsehen können! „Uuh, hoffentlich mögen die mich alle … der da drüben schaut gerade so finster“. Ihre Zuhörer stehen hinter Ihnen! Die sind nämlich extra gekommen, um Ihnen zuzuhören und sind total gespannt, was sie Neues erfahren. Abgesehen davon können Ihnen die meisten Redner Geschichten davon erzählen, dass die Leute, die am grimmigsten dreinschauen oft die sind, die am aufmerksamsten zuhören.
  • Bereiten Sie nach, aber hacken Sie nicht auf sich herum! Das Grübeln hört selbst im Nachhinein nicht auf, jede kleine Panne wird analysiert: Man plagt sich mit „Ich hab‘s bestimmt versaut!“ oder „Die denken jetzt sicher nix Gutes über mich!“ Vielleicht haben Sie sogar rundum positives Feedback bekommen, aber können sich darüber gar nicht freuen, weil sie „in der Einleitung den Satz X vergessen haben“ und mittendrin einmal den Faden verloren haben. Wenn Sie nicht gerade Masochist sind, haben Sie von dieser Art der Nachbereitung nicht viel. Also bitte: Konstruktiv bleiben oder gar nicht!

Übrigens: Viele Missgeschicke werden von anderen überhaupt nicht wahrgenommen! Und wenn doch? Na, und!? Shit happens. Das nächste Mal wird es besser. Schießen Sie den Wunderwutzi in den Wind, mit weniger Tamtam erleichtern Sie sich die Sache!

* Wunderwutzi sagen wir in Österreich zu Alleskönnern

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