Ironie hat so ihre Tücken

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Vor einiger Zeit habe ich das Buch  „Sieben verdammt lange Tage“ von Jonathan Tropper verschlungen und mich schlapp gelacht. Ganz tolles Buch, teilweise sarkastisch, ironisch, stellenweise traurig. Auch bei „Pauschaltourist“ von Tom Liehr habe ich mich vor Lachen weggeschmissen. Ich bin verrückt nach solchen Büchern und freue mich über jede gute Empfehlung (immer her mit Ihren Tipps!).

Ironie ist ja ein raffiniertes rhetorisches Stilmittel, nicht nur für Autoren. Aber eben nur, wenn man sie virtuos einsetzt. Das aber erweist sich so manches Mal als Drahtseilakt:

… wenn Sie die falschen Motive haben.

Man muss es ganz klar sagen: Sehr viele Menschen flüchten sich in ironische Bemerkungen, weil sie nicht den Mut haben, etwas klar und deutlich auszusprechen. Ironie bietet auch immer das „War nicht so gemeint“-Hintertürchen. Dann gibt es noch den bösartigen großen Bruder, den Sarkasmus. Da mischt sich dann auch noch die Gehässigkeit mit rein, was vor Publikum aus mehreren Gründen ein großes Problem werden kann. Zum einen hat unser Gehirn seine liebe Not, sarkastische Aussagen zu verarbeiten (Wie der Geist Sarkasmus versteht), zum anderen tragen Sie als Redner schlimmstenfalls einen Imageschaden davon.

… wenn Sie Ton und Timing nicht beherrschen.

Ironie kann wahnsinnig gut einschlagen! Es gibt sie, die meisterhaften Wortkünstler, die jederzeit und zu jedem Thema pfiffige Meldungen fallen lassen.

Das ist natürlich für Vorträge und Präsentationen besonders schön: Zuhörer tauen auf und freuen sich immer, wenn es etwas zu lachen gibt. Aber Achtung! Wenn der Tonfall nicht stimmt, wird es schwierig. Denn dann schauen Ihre Zuhörer verwirrt, während ihr Gehirn verzweifelt versucht zu erkennen, wie das jetzt gemeint ist.

… wenn Ihre Zuhörer auf einem anderen Kanal hören.

Ironie heißt ja, dass man etwas anderes sagt, als man meint. Der springende Punkt dabei: Sie gehen davon aus, dass der Zuhörer das auch checkt, was aber leider nicht immer der Fall ist. Zum einen, weil unser Gehirn erstmal verarbeiten muss, was es hört und sieht (Inhalt, Tonfall, Körpersprache), zum anderen aber auch, weil es – je nach Thema – davon abhängig ist, wie sehr Ihr Publikum inhaltlich auf dem gleichen Stand ist, beziehungsweise Ihre Haltung zu einem bestimmten Thema klar (er)kennt.

Auch unterschiedliche Moral- und Wertvorstellungen können übrigens eine Rolle spielen.

So stellen Sie sicher, dass Ironie gut ankommt:

In vielen Fällen muss Ironie also sehr deutlich gekennzeichnet werden. Hier haben Sie einen klaren Vorteil vor Autoren, denn Sie haben Stimme, Sprechweise und Körpersprache zur Verfügung!

      • Heben Sie den ironischen Part hervor. Dafür können Sie Ihre Stimme einsetzen, aber auch mit Mimik und Gestik arbeiten. Natürlich gibt es hierfür keine Richtlinien. Wenn Sie überbetonen, die Lautstärke variieren oder den Tonfall so anpassen, dass er im Widerspruch zur Aussage steht, helfen Sie anderen auf die Sprünge.  Sie können auch eine Grimasse ziehen, mit dem Auge zwinkern oder eine „Wegwerfgeste“ machen, dadurch bringen Sie Ihre Zuhörer auf die richtige Fährte.
      • Haben Sie immer den Horizont des anderen im Blick! Miss- oder Nichtverstehen von ironischen Aussagen, hängt manchmal mit unterschiedlichen Wissensständen zusammen. Wenn Sie davon ausgehen, dass der Zuhörer etwas weiß,  was er eigentlich nicht weiß, dann können Sie oft noch so wild gestikulieren oder mit Ihrer Stimme Programm fahren, der Spruch kommt nicht durch. Ironie funktioniert in vielen Fällen erst, wenn Sie die anderen auf den gleichen Stand bringen.
      • Lassen Sie Ihre ironische Bemerkung wirken. Die Gehirne Ihrer Zuhörer brauchen ein wenig, um Ironie richtig zu verarbeiten, auch wenn Sie sie klar gekennzeichnet haben. Machen Sie dennoch danach eine kurze Pause. Denken Sie an Standup-Comedians, die gezielte Pausen machen.
      • Übertreiben Sie es nicht! Ironie ist, wie viele sprachliche Stilmittel, ein feines Gewürz. Entsprechend dosiert sollten Sie es einsetzen. Stellen Sie sich ein Lied vor, bei dem andauernd ein Trommelsolo kommt. Das wäre furchtbar anstrengend und man möchte nicht mehr zuhören, weil es alles andere erschlägt 😉

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