Die schlechte Kopie

stamp-143192_1280

Man braucht nicht groß drumrum reden: Das Original ist besser als die Kopie. Immer!

Stellen Sie sich vor, Sie besuchen einen Vortrag und sind hin und weg von der Leichtigkeit, mit der der Vortragende mit seinen Zuhörern kommuniziert: „Wow!! Dem hör ich gern zu!“ Dann spricht nichts dagegen, dass Sie sich einzelne Sachen herauspicken, um sie beispielsweise bei Ihrer nächsten Präsentation umzusetzen. Vielleicht bewundern Sie, wie derjenige Reflexionsfragen durch längere Sprechpausen wirken lässt. Oder Ihnen gefällt die Art, wie er einzelne Aussagen hervorhebt. Bedienen Sie sich! Aber Achtung: kopieren Sie nicht.

Haben Sie schon von dem Tipp gehört, dass man sich, wenn man eine Präsentation (oder was auch immer) gut über die Bühne bringen will, vorstellen soll, man wäre sein Vorbild? So nach dem Motto: Ich singe so gern, mir gefallen die Lieder vom Hansi Hinterseer, also stelle ich mir beim nächsten Auftritt einfach vor, ich bin der Hansi.

Sorry, so funktioniert‘s nicht. Viel besser ist, wenn Sie Ihre individuelle Rolle selbst finden, anstatt dass Sie auf fremde Schienen springen und einen billigen Abklatsch abgeben. Bleiben Sie immer Sie selbst.

Wenn Sie diese sieben Tipps beherzigen, stellen Sie sicher, dass Ihr Publikum Sie als Unikat erlebt:

1. Ihr Zuhörer will SIE erleben.

Ob vor Kollegen, bei der Kundenpräsentation oder der Vortragsbühne: Das Publikum ist an dem interessiert, was SIE zu sagen haben. Das gilt nicht nur für den Inhalt, sondern für das Gesamtpaket.

Sorgen Sie also für ein gutes Fundament, indem Sie sich daran erinnern!

2. Notieren Sie sich Ihre Stärken.

Es gibt Menschen, die immer so richtig authentisch sind. Die haben ihren Stil gefunden, – und der ist immer gleich: ob unter Freunden oder im Businesskontext. Die meisten Leute sind aber gerade bei einem Vortrag anders – oder haben sich noch nie darüber Gedanken gemacht, was sie eigentlich ausmacht.

Ein Original lebt von seiner eigenen Art. So verhindern Sie außerdem, dass Sie in eine andere Rolle schlüpfen wollen. Wozu auch? Sie selbst haben ja viel mehr drauf!

3. Sprechen Sie im Eigenton.

Warum der Eigenton so wichtig ist, habe ich Ihnen hier schon beschrieben: Was es mit dem Eigenton auf sich hat und wie Sie ihn finden. Denken Sie bitte daran, dass Sie damit nicht nur punkten, sondern sich längeres Sprechen ungemein erleichtern und sich noch dazu viel wohler in Haut fühlen.

Wenn Sie beim Reden aber merken, dass Sie Probleme haben in ihn hineinzufinden, dann stellen Sie sich vor, dass Sie Ihre Worte einem guten Freund vortragen. Dann kommt die Freundlichkeit nämlich von innen.

4. Plaudern Sie!

Unter normalen Umständen haben wir den Plauderton natürlich drauf. Aber wenn man zu mehreren Menschen spricht oder sich in einer ungewöhnlichen Sprechsituation befindet, ist es oft wie verhext.

Ablegen können Sie das ganz einfach: Zum einen ist es eine gute Idee, sich in der aktuellen Sprecherrolle nicht sooo wichtig zu nehmen, sprich sich nicht so viel auf sich selbst und das “Wie komme ich rüber?” oder auch „Ich muss ultrakompetent und seriös wirken!“ konzentrieren. Zum anderen, indem Sie sich daran erinnern, dass Ihre Zuhörer auch ganz normale Menschen sind.

5. Vergeben Sie sich Holperer.

Wenn Sie aus dem Konzept kommen, sich die Ähs häufen, ein Informationskuddelmuddel beim Sprechen rauskommt, Sie sich für einen Sprechlacher oder was auch immer genieren, dann kann es passieren, dass Sie das gleich wiedergutmachen wollen, den Fokus also wieder auf sich legen, anstatt im Text weiterzumachen.

Wann immer wir uns aber zu sehr auf uns konzentrieren, bringen wir unser Gehirn durcheinander. Das führt dann gerne dazu, dass wir uns aus dem Konzept bringen UND gleichzeitig für den Fehler verurteilen. Beides sind Feinde von Souveränität.

Wenn Ihnen so etwas passiert, dann verzeihen Sie sich einfach. Hoppallas passieren … und sind oft sogar charmant, andere erkennen: Das ist auch “nur” ein Mensch und zum Glück kein aalglatter Superexperte.

Vergeben Sie sich bitte auch größerer Fehler. Manchmal will es überhaupt nicht hinhauen, na und?! Shit happens. Ihre Zuhörer werden Sie deshalb nicht auffressen. – Je gelassener Sie mit sowas umgehen, desto schneller bekommen Sie die Situation wieder in den Griff … und weiter geht’s!

6. Greifen Sie nicht zu tief in die Rhetorikkiste

Auch wenn viele Rhetorikratgeber eigentlich ein schönes Ziel verfolgen und Ihnen mehr Aufmerksamkeit und Zuneigung Ihrer Zuhörer versprechen, lassen Sie es irgendwann auch gut sein. Zuviel von diesem Werkzeug kratzt an Ihrer Natürlichkeit. Außerdem macht man sich irgendwann verrückt:

– Wo soll noch mal genau die Sprechpause hin?
– Oh, ich darf nicht so und so gestikulieren.
– Hier muss nun das bedeutungsschwanger vorgetragene Zitat kommen.
– Nur den Lacher nicht vergessen!

Es spricht ja nichts dagegen, sich viele Tipps auch zu Herzen zu nehmen, im Gegenteil, aber Sie brauchen nicht jeden einzelnen aus der letzten Rhetorikschulung auch umsetzen. Ihr Instinkt funktioniert in vielen Fällen besser als die Tipps aus Körpersprache II.

7. Sorgen Sie für die Rahmenbedingungen, die Sie brauchen.

Jeder von uns ist anders. Das gilt auch für die Rahmenbedingungen, die wir brauchen. Für den einen funktioniert die Beamerpräsentation. Der nächste tut sich leicht mit detaillierten und durchnummerierten Moderationskarten und etwas Bewegungsraum. Und der dritte ist am besten, wenn er improvisieren kann.

Vor anderen reden geht viel leichter, wenn wir ganz wir selbst sein dürfen. Dann sind Sie auch automatisch Ihr Original. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *